Viel war in letzter Zeit von Hurrikan Irma zu lesen, viel über Zerstörungen, teils auch verwirrende Meldungen wie „…Irma rast durch die Karibik…“.

Wobei man von rasen nun wahrlich nicht sprechen kann, denn der Hurrikan schlich im wahrsten Sinne des Wortes. Seine Geschwindigkeit, mit der er sich fortbewegte, glich mit rund 25 km/h der eines trainierten Radfahrers.

Am 29. August zog ein Tiefdruckgebiet mit eingelagerten Störungen (starke Regenfälle mit Gewittern) von Ost nach West über die Kapverdischen Inseln westlich von Afrika. Aufgrund der steigenden Aktivität innerhalb des Systems wurde es am 30. August um 15 Uhr vom NHC (National Hurricane Center) zum tropischen Sturm „Irma“ ernannt. Dies war praktisch die Geburtsstunde dieses vernichtenden Hurrikans.

Hohe Wassertemperaturen (mehr als 26 Grad) bis in große Tiefen und günstige meteorologische Bedingungen ließen Irma sich in nur einem Tag von  einem tropischen Sturm zum Hurrikan entwickeln. Bereits am 31.8. erreichte er die Stufe 2, in der Windgeschwindigkeiten von mehr als 160 km/h auftraten. Fortan wurde Irma stärker und stärker und erreichte am 5.September östlich der Inselkette von Anguilla bis Barbados die stärkste Stufe 5 mit Windgeschwindigkeiten von 280 km/h und einem Luftdruck von nur 929 mbar (zum Vergleich – der in Deutschland tiefste Luftdruck betrug 954 mbar im Jahr 1983, der normale Luftdruck bewegt sich zwischen 980 und 1040 mbar). Je tiefer der Luftdruck im Auge eines Hurrikans ist, desto mehr Wasser wird durch ihn aufgesogen.

Am folgenden Tag zog Irma unter weiterer Verstärkung erstmals über Land und verwüstete Inseln wie Barbuda oder St. Martin. Mit Erreichen der Britischen Jungferninseln erreichte der Luftdruck mit nur noch 914 mbar seinen Tiefststand.

Drei Tage lang behielt Irma die höchste Klasse 5, kein Hurrikan auf dem Atlantik war seit Beginn der Wetteraufzeichnungen so lange so kräftig.

Am 7. September passierte er die Dominikanische Republik und Haiti an deren Nordküste, bevor der Hurrikan einen Tag später in Kuba an Land ging.

Aus heutiger Sicht war das das große Glück für Florida, denn auf Grund der geologischen Bedingungen auf Land (Bodenreibung) und dem fehlenden warmen Meerwasser, welches die Energiequelle eines Hurrikans ist, verlor Irma viel Kraft und schwächte sich zur Klasse 3 ab. Wäre er auf dem Wasser geblieben, hätte er wohl seine volle zerstörerische Kraft erhalten.

Am 10. September ließ Irma Kuba hinter sich, änderte seine Zugbahn auf Nordwest und nahm Kurs auf Florida, wobei er noch einmal kurzzeitig über dem Meer Energie tanken konnte und wieder Klasse 4 erreichte.

Im Laufe des Tages überquerte er mit Windböen von 190 km/h die Florida Keys, bevor er bei Cape Coral an der Westküste von Florida an Land ging.

Damit begann praktisch auch sein Abgesang als Hurrikan. Im Laufe des 11. September verlor er durch die fehlende Energiezufuhr schnell an Kraft und war am Ende des Tages wieder das, was er 12 Tage zuvor auch schon war: Ein tropischer Sturm.